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| Das Methusalem-Komplott
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Es wird Krieg geben und er wird uns alle betreffen. Der Kriegsgrund: Wir werden alle immer älter. Frank Schirrmacher, Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, schildert in seinem Buch „Das Methusalem-Komplott“ ein düsteres Bild der kommenden Jahrzehnte, in der die heute 20- bis 60-Jährigen gemeinsam zu den „Alten“ gehören. Eine große Gruppe, die aber am gesellschaftlichen Zerrbild des Älterwerdens und Altseins zu Grunde gehen wird, wenn sich nicht bald etwas ändert. Schirrmacher ruft säbelrasselnd zur Verschwörung gegen dieses Gesellschaftsbild auf. Seine Analyse schmerzt: Die Gesellschaft hält das Älterwerden nicht für erstrebenswert, ja noch viel schlimmer: Ein „Alterrassismus“ sei zu beobachten. Die Vorstellung vom Menschen, der mit dem Alter nachlässt, der nicht mehr kreativ und leistungsfähig ist, trifft heute schon Männer und Frauen ab 40. „Die Gesellschaft nimmt den Menschen alles: Selbstbewusstsein, Arbeitsplatz, Biographie“, schreibt Schirrmacher. Das führt mit jedem Jahr, das der Mensch älter wird, immer mehr zum Selbsthass, zum Krieg, den wir mit uns selbst führen, mit dem Menschen, der wir im Alter sein werden“. Dabei steigt die Lebenserwartung permanent, immer mehr Alte stehen in den kommenden Jahrzehnten unaufhaltsam immer weniger Jungen gegenüber. Massive Verteilungskonflikte drohen. Ausgaben für die medizinische Versorgung explodieren, Schirrmacher spekuliert, ob der Rassismus gegen die Alten nicht bis zur Euthanasie führen kann.
Die Problematik rund um das Älterwerden trifft ganze Länder. Laut Schätzungen der Vereinten Nationen werden die Deutschen bis 2050 um 12 Millionen schrumpfen, ohne Zuwanderung gar um 23 Millionen. Das Altern ist damit nicht nur ein sozialpolitisches Thema, es bestimmt Innen- wie Außenpolitik. Denn andere Länder, gerade die muslimischen, werden ein wahren Jugendboom in den nächsten Jahrzehnten erleben. Einwanderung und Integration verschärfen den Generationenkonflikt.
Der Ausweg: Ein Komplott gegen die gesellschaftliche Einstellung zum Alter. Schirrmacher fordert eine „fundamentale Korrektur völlig falscher Vorstellungen“, damit die Lebensfreude im Alter nicht erstickt wird. Schirrmacher will den Lesern mit seinem aggressiven Ton und seinen vielen Kriegsvergleichen Angst einjagen, er weiß aber auch mit wissenschaftlichem Hintergrund zu argumentieren. Eine Langzeitstudie in Ohio etwa ergab, dass Menschen, die negativ über das Älterwerden dachten, im Schnitt siebeneinhalb Jahre früher starben – das schlechte Denken über das Alter wird zur sich selbst erfüllenden Prophezeiung.
Schirrmacher zeigt mit dem „Methusalem-Komplott“ eine Wirklichkeit hinter den nackten Zahlen der Altersstatistiken. Man kann streiten, ob er mit seinen Kriegsvergleichen und seiner erschreckenden Zukunftsbeschreibung den Bogen nicht überspannt. Aber immerhin wird der Leser brutal zum Nachdenken über die Folgen der Altersentwicklung gezwungen, und das weit über die tagespolitische Debatte hinaus.
Frank Schirrmacher Das Methusalem-Komplott Blessing-Verlag München 16 Euro |
verfasst von
Beck am 09 Jun 2004
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