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Sportfreunde Stiller
Eine schöne Geburtsanzeige war das: Drei sympathische Musiknarren aus München freuen sich, die Geburt ihres neues Albums bekannt geben zu dürfen. Ein strammer „Burli“, der fein aus Stereoanlagen lärmt und derzeit auch live Spaß macht.. Die Sportfreunde Stiller sind wieder da mit klasse Album und ausverkauften Konzerthallen. Culture Shocked sprach mit Sänger und Gitarrist Peter S. Brugger.

Wie geht’s den Sportfreunden Stiller eigentlich?

Peter: Uns geht es sehr gut! Wir sind guter Dinge, denn die blödste Zeit für uns - zwischen dem Fertigstellen der Platte und bis es richtig losgeht - ist vorbei.

Euer neues Album trägt den bajuwarisch liebevollen Namen Burli...

Peter: Er ist uns sehr ans Herz gewachsen. Wir haben uns 9 bis 10 Monate mit ihm beschäftigt inklusive Schreiben und Produzieren. In dem Album liegt sehr viel Herzblut. Es war unsere schwerste Platte, die Erwartungen von uns und auch von der Plattenfirma waren hoch.

Was sind die Themen der Platte?

Peter: Wir sprechen viele Themen an. Es geht eigentlich immer um zwischenmenschliche Sachen, die Lieder sollen Hoffnung, Mut und Trost vermitteln. Das spiegelt den Geist der Platte am besten wider. Gerade weil wir in einer Zeit leben, in der die Leute mit einer Ungewissheit durchs Leben gehen. Hauptthema neben zentralen Themen, die wir eh schon immer hatten wie Freundschaft und Liebe natürlich.

Und die versteckten Schönheiten?

Peter: Eine versteckte Sache, die ganz neu ist, ist ein Gitarrensolo. Ein fast schon Schlagzeugsolo. Und ein Basssolo. Also musikalisch hochversiert.

Eine Frage an den Fußballverrückten: Wer ist der bessere Stürmer: Benny Lauth oder Santa Cruz?

Peter: ganz schwierig, da einen Vergleich anzustellen. Ich würde sagen, es sind zwei sehr sehr große Talente, die sich beide noch beweisen müssen. Die beide an so einer Schwelle stehen, wo sie richtig Große werden können oder ewige Talente bleiben.

Beide haben in je einem Lied Aufstellung auf dem „Burli“ genommen. Welches ist der bessere Song?

Peter: Ich Roque ist ja deshalb so toll, weil der Roque da tatsächlich mitgemacht hat. Er hat uns zwei Worte drauf gesprochen: Ich Roque. Und Lauth anhören, des wollte der Flo unbedingt, weil wenn schon ein Bayern-Stürmer auf der Platte ist, dann sollte auch ein Löwen-Stürmer erwähnt sein. Ich mag beide Lieder sehr gern.

Als ihr am Frequency-Festival Lauth anhören gespielt habt, gingen tausende Fäuste hoch, die Leute sind gesprungen: Was geht einem da durch den Kopf?

Peter: Ja, das ist unbeschreiblich, echter Wahnsinn und da denk ich mir immer, wo wir drei Deppen angefangen haben und wo das jetzt so hingeführt hat. Ich bin da meistens überwältigt und steh mit einem fetten Grinsen auf der Bühne und kann`s kaum packen. Ein schönes Gefühl, zu sehen, dass die Leute eine schöne Zeit haben wenn wir spielen und ordentlich feiern. Echt immer sehr schön

Am 26. Mai ist das Champions-League-Finale. Und euer Konzert in der Münchner Olympia-Halle.

Peter: Ich hoffe, dass sich viele dafür entscheiden, sich uns anzuhören und nicht das Champions-League-Finale anzuschauen. Und ansonsten: wenn ich dran denk, schlottern mit die Knie. Olympiahalle ist schon eine Dimension.

Habt ihr keine Angst, dass es nicht voll sein wird oder die Stimmung angesichts der riesigen Halle nicht überspringen könnte?

Peter: Das Ganze ist schon zwischen Größenwahn und sich ein großes Ziel stecken. Ich hoffe aber dass die Leute das so sehen, dass es geil ist, wenn eine Münchner Band irgendwie in der Lage dazu ist, in der Olympiahalle zu spielen. Es war ein Traum, nach der Spider Murphy Gang die zweite Münchener Band zu sein, die dort spielt.

Am Tag davor tritt Britney Spears in der Olympiahalle auf.

Peter: Das zeigt auch wieder, wie krass es ist. Britney Spears Weltstar und wir drei Jungbauern auf der Bühne.

Britney Spears ist in Sachen Kommerzialität eine der Bekanntesten im Geschäft. Der Vorwurf, ihr würdet euch ausverkaufen, häuft sich.

Peter: Das beschäftigt uns schon sehr, aber mir ist die Argumentation von den Leuten echt zu engstirnig. Fans der ersten Stunde, wollen halt immer eine Band für sich haben, bedenken aber nicht, dass wenn eine Band über ein bestimmtes Level hinauskommen, nach ein paar Jahren einfach das Ende der Band gekommen ist, weil sie schauen müssen, wie sie Geld verdienen und nicht weiter Musik machen können. Wir wollen, dass möglichst viele Leute unsere Musik hören und dann entscheiden, ob sie des toll finden oder nicht.

Dafür geht ihr auch in Veranstaltungen wie die McChart Show und tretet etwa mit Leuten wie Daniel Küblböck auf?

Peter: Deswegen gehen wir auch in so Veranstaltungen wie die McChartShow. Es macht wahnsinnig viel Spaß da, wir haben da vor dem Küblböck gespielt und da sind wir halt in so einer Gesellschaft, die so unglaublich ist. Wir sehen das auch sehr ironisch. Ab einem gewissen Level gibt es wahrscheinlich sowieso nur fragwürdige Veranstaltungen. Da kannst du entweder sagen, du verschließt dich diesen Sachen total, verzichtest darauf, das du mehrere Leute erreichst mit deiner Musik oder du geht’s halt dorthin und machst genau des, was du vorher auch gemacht hast. Verbiegst dich halt nicht und vertrittst da deiner Werte.

Gibt es Grenzen?

Peter: Wir verfahren nach dem Prinzip, wenn einer wirklich kotzen muss, dann machen wir es halt nicht. So haben wir zum Beispiel die Teilnahme am Grand Prix abgesagt. Da wars halt so, dass der Flo damit nichts anfangen konnte. Aber ansonsten machen wir dasselbe wir vor sechs Jahren auch noch, aber in anderen Formaten. Und finden das teilweise sehr lustig. Bei Top of the Pops war es auch total witzig. Da sind halt tatsächlich so Stimmungsmacher, die die Leute anfeuern und furchtbar schlechte Witze reißen. Und dann spielst du dein Lied. Das ist einfach eine sehr sehr komische Situation, aber auch sehr witzig. Diese Erfahrungen wollen wir nicht missen.

Ihr spielt auch bei Veranstaltungen wie zuletzt Planet Peace von Attac anlässlich der Sicherheitskonferenz im Münchner New Backstage. Wie politisch seid ihr und wie politisch sollen die Sportfreunde Stiller sein?

Peter: Wir haben so gesehen nicht vordergründig politische Inhalte in unseren Texten, Äußern uns aber dadurch, auf welchen Veranstaltungen wir spielen. Uns war es sehr wichtig, bei Attac zu spielen, auch um darauf hinzuweisen, dass da eine Gruppe ist, die sich engagiert und das Leute, die unserer Musik hören, dahingehen und sich informieren sollen. Wir stehen in der Öffentlichkeit und es war uns wichtig, uns zu äußern. Genauso wichtig wie 2002 zu sagen, dass wir keinen Bock haben auf einen Kanzler Stoiber.

Auf eurer Tour spielt ihr mit interessanten Bands, etwa Franz Ferdinand, die zuletzt ziemlich gehypt wurden. Wer rockt Deiner Meinung nach 2004 die Clubs und Festivals?

Peter: Welche Bands? Da hast du sicher schon die Band Nummer eins aufgezählt. Was mich aber sehr freut, weil sie, was ich so mitkrieg, aus einem ähnlichen Ansatz heraus Musik machen wie wir. The Darkness ist natürlich ein heißer Anwärter, die Platte lieb ich sehr zur Zeit, was sonst noch? Ich hoffe, dass wir ordentlich abgehen werden. Ich freu mich auf jeden Fall sehr auf die Konzerte.

Ihr werdet ausgedehnt touren. Nervt es nicht, jeden Abend auf der Bühne zu stehen?

Peter: Also, ich bin noch nie auf den Gedanken gekommen, dass mich des nerven könnte. Natürlich gibt’s jeden Tag so ne Phase wo ich es mir einfach nicht vorstellen kann, abends auf der Bühne zu stehen, weil ich so fertig bin, weil’s halt echt anstrengend ist. Aber sobald der Abend näher rückt, dann kommt man wieder auf Touren und hat wieder total Bock zu spielen, weil des gibt einem so viel Energie, dabei vergisst du die ganzen Anstrengungen im Laufe des Abends dann.

Wenn du in die Gesichter Eurer Fans blickst: Wie sollen sie drauf sein? Was haltet ihr von Diskussionen von Fans, wer Euch schon länger kennt und der bessere Fan ist?

Peter: Ich seh halt immer, dass da eine ordentliche Party abgeht und dass die Leute ok miteinander umgehen, sofern ist das beurteilen kann von da oben Ich will nicht, dass unsere Fans irgendwie in eine bestimmte Richtung denken. Ich will, dass sie respektvoll miteinander umgehen, dass sie offene Leute sind. Und ansonsten sollen sie ordentlich feiern und eine gute Zeit haben. Ich finde dieses Gezanke, ja ´ich bin ja schon so viel länger da als du`, ganz schon blöd. Ich kann halt keine Band besitzen. Entweder bedeutet mir ihre Musik was, oder nicht.

Auf dem letzten Album der Hamburger Band Tomte gibt es eine Textzeile, die da heißt: „das ist alles andere als die gute Seite“. Ein Diss gegen die Sportfreunde Stiller?

Peter: Der Thees hat schon vorab eine Email geschrieben und darauf hingewiesen, dass die Zeile dort stattfindet. Und hat aber gemeint, dass des keineswegs ein Diss sein soll in unsere Richtung. Ich schätze die Tomte-Jungs auch sehr und ich beurteile das ganze so, dass der Thees es so gemeint hat, dass er nicht auf der guten Seite ist, weil er es teilweise auch schwer hat und das ihm nicht alles zufliegt.

Deine Konzertansagen hören sie beizeiten so an wie in ein Poesiealbum geschrieben. Mögt ihr Poesie-Alben?

Peter: Ein schönes Kompliment, ein sehr sehr schönes Kompliment, aber ich hab halt früher immer reingschrieben: `mach es wie die Sonnenuhr, zähl die heitren Stunden nur`. Toujour in jedes Poesie-Album. Und da hoffe ich jetzt, dass meine Ansagen nicht als abgedroschene Floskeln rüberkommen. Ansonsten werden wir oftmals gebeten, uns in Alben einzutragen, und das ist sehr sehr lustig, ich fühle mich dann an die Schulzeit erinnert.

verfasst von
Beck am 08 May 2004


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